Artikel erschienen imRundbrief des Berufsverbands bildender Künstler Berlin
Die
Künstlersozialkasse (KSK) hat es schwer. Als einzigartiges
Instrument zur sozialen Absicherung von Kunst- und Kulturschaffenden
in der Hochphase der Sozialdemokratie 1974 beschlossen, ist sie im
Zuge der Neoliberalisierung Deutschlands massiven Angriffen
ausgesetzt. Ob Industrie, Handelskammer oder Kulturmarktverbände,
immer wieder wird versucht, dieses Sozialversicherungsmodell zu
diskreditieren. Nicht zeitgemäß sei die Idee, Freiberufler wie
Arbeitnehmer zu versichern und damit vor dem sozialen Abstieg oder
Aufgabe der künstlerischen Tätigkeit zu bewahren. Wo einst die
Sorge um die Künstler zur Sicherung der Kulturstaatlichkeit der
Staatszielbestimmung Deutschlands entsprach, regiert heute die
Rhetorik des freien Marktes.
Mit
der Novellierung des Künstlersozialversicherungsgesetzes wurde die
Abgabepflicht auf die Gesamtheit der Unternehmen erweitert. Die
Kontrolle der Abgabe wurde auf die potentere Deutsche
Rentenversicherung (DRV) übertragen. Diese kontrollierte seit 2012
aber nicht, obwohl durch die Neuordnungen Millionenbeträge in die
Kasse flossen. Mit 50 Mil. € zusätzlichen Verwaltungskosten wurde
dies als zu teuer dargestellt. Außerdem fiele die Deckung der
Mehrkosten zu Lasten der Rentenversicherung. Dabei wurden die Kosten
hierfür von der KSK selbst aber mit nur 15% der Summe veranschlagt.
Im nächsten Jahr soll der Abgabesatz um 1% erhöht werden.
Kulturmarktverbände, wie der Bundesverband Deutscher Galeristen,
laufen dagegen Sturm. Die Belastung, so befürchtet man, bleibe bei
den Galerien hängen. Dabei würde eine Teuerung des Endprodukts um
1% wohl kaum Käufer abschrecken. Geiz gilt hier nicht unbedingt als
geil. Doch wer ins Feld führt, man sei besonders hart getroffen, da
man “hohe
Anteile aus Werkverkäufen an bildende Künstler zahle“ jammert
nicht nur auf hohem Niveau. Er denkt vielleicht auch allzu
eigennützig. Selbst wenn einige Kunsthändler ums Überleben kämpfen
müssen: Nur 13% der Kunstschaffenden verdienen mehr als die Hälfte
ihrer Einkünfte aus dem Verkauf von Werken. Die wenigsten
profitieren von den Leistungen einer Galerie. Und dass sich nur
Qualität am Markt durchsetze, ist ein Galeristenmärchen. Die
soziale Lage der Künstler ist jedoch dramatisch. Das
Durchschnittseinkommen der KSK-Versicherten liegt bei lediglich
14.000,- €. Honorare für bildende Künstler sind die Ausnahme.
Ebenso wie Verkäufe. Deshalb braucht die Kunst Unterstützung.
Die Kontrollen
bei den Künstlern haben sich indes verschärft. Wer bei der KSK
falsche Angaben macht, muss mit harten Strafen rechnen. Viele sind
aus der KSK geflogen, viele scheitern bereits bei der Antragstellung,
da die Erwerbsmäßigkeit der künstlerischen Tätigkeit an einem
jährlichen Reinerlös aus künstlerischer Arbeit von mehr als
3.900,-€ berechnet wird. Wer im Nebenberuf mehr als 450,-€
verdient, riskiert ebenfalls eine Ausschluss. Leichter hat es da der
Berufsstamm der Grafikdesigner oder der Publizisten. Als letzterer
geht dann schon mal der ein oder andere Galerist oder Kurator durch,
wo man bei der Frage wäre, ob der Sinn der Künstlersozialkasse noch
erfüllt ist, wenn Galeristen in der KSK sind und Künstler dabei
chancenlos in die Sozialfalle rutschen. Ein Problem ist vielleicht,
wie bei der KSK gewirtschaftet wird. Grundsätzlich müsste sich die
Kasse aus den Abgaben und Beträgen tragen.
Als
unter Franz Müntefering aber die Künstlersozialversicherungsgesetz
reformiert wurde, bedeutete dies einen Rückgang der
Bundesfinanzierung von 25% auf 20%. Das Defizit musste erwirtschaftet
werden. Hier leitete sich eine Welle von Ausschlüssen und eine
restriktive Eintrittspolitik ein. Sollte die KSK tatsächlich einmal
obsolet werden, dann vielleicht durch eine Bürgerversicherung. Diese
ist aber vorerst nicht in Sicht. Die gegenwärtigen Beitragslöcher
ließen sich durch bessere Kontrollen bei den Unternehmen und durch
die Einführung von Ausstellungshonoraren bei staatlichen und
kommunalen Ausstellungshäusern stopfen. Ob es Mindestlohn für
Künstler irgendwann geben wird, bleibt aber fraglich. Eine
Rückbesinnung auf den Bestimmungszweck der Künstlersozialkasse
scheint dringend nötig.
„Der
grosse Fingerzeig, oder : Die Körperfresser kommen!" 1)
Die
Frage beim partzipativen Kunstwerk, ob es konstativ oder performativ
sei, stellt sich nicht. Das Kunstwerk tut nie so, als würde es
nicht gesehen. In seiner Präsenz ist es voll und ganz von dem
Bewusstsein geprägt, wahrgenommen und erlebt zu werden oder in
Erwartung dessen zu verharren. Es hängt an der Wand, steht auf dem
Sockel und wiegt sich in der Gewissheit, betrachtet zu werden. Wie
wenig also das Kunstwerk in seiner klassischen Medialität sich
selbst genügen kann, so wenig genügt das soziale Kunstwerk sich
selbst. Mehr als noch einfach gesehen, eventuell reflektiert zu
werden, vielleicht sogar dem Betrachter ein Ozean zum versinken zu
sein, ragt das Verlangen des partizipativen Kunstwerks über das
Eintauchen hinaus ; es verlangt von den Betrachtern kollektive
Efferveszenz2.
Auch geistig ein Teil von ihm zu sein war dessen Ziel, es gleichsam
physisch zu aktivieren und sich seinen Gesetzen in einem Umfang zu
beugen, der mehr verlangt, als nur die Unterwerfung unter den
mitunteren Totalitätsanspruch eines solchen Werks, welche in der
Demut vor der Kunst endend, sich in Wohlgefallen ausnehmen könnte.
Mehr als oft verlangt es aber nach einer Veränderung der
Lebensgewohnheit und Einstellung, kurzfristig oder auch nachhaltig.
Dabei
besteht aber ein immenser Unterschied zwischen erstens dem Werk, das
Gegenentwurf ist, und zweitens jenem, welches Antinomie nicht
erlaubt. Wo selbst die Totalkunst ihren Widerspruch zum Betrachter
affirmieren kann, ohne dabei ihren Absolutheitsanspruch einzubüßen,
setzt die Zweite der genannten Charakteristiken des sozialen
Kunstwerks eine normative Nähe zum Betrachter, der dieser sich
anzugleichen hat. Die Gestalt dieser Angleichung ist dann die
Optimierung. Folgt erstes Verhältnis zwischen Werk und Betrachter
also der Möglichkeit einer dialektischen Beziehung zwischen der
Absolutheit des Werks und der durchaus affirmierten, dem Werk
gegenüber stehenden Identität des Betrachters, so negiert der
zweite Entwurf die Identität des Betrachters, sowie den Unterschied
zwischen Werk und Betrachter. In diesem Zusammenhang gerät eben
dieser Unterschied zur Anomie, die solch ein Werk auszumerzen sucht.
Zentral
ist dabei also oft meist das Motiv, sich selbst zu verbessern.
Bemerkenswert ist hierbei der Unterschied zwischen Veränderung und
Verbesserung. Der erste Entwurf birgt zwar eine oppositionelle Idee,
beispielsweise die einer Verbesserung der Welt, zu welcher man sich
zu Verhalten habe, zu der man beizutragen habe. Jedoch gewährt er
die Möglichkeit, sein falsches Verhalten durch Taten zu verändern,
oder durch Erweiterung des Denkens, immer jedoch auf die Formung des
Motivs „Welt“ hinauslaufend. Sie ist das Subjekt dieses
Veränderungswillens. Die Autonomie des Betrachters bewahrt sich
alldieweil. Das Individuum ist hier also nicht zwangsläufig Subjekt
des Werks. Zweiter Entwurf hingegen setzt ein Grundmuster voraus, das
neoliberale Funktionsstandards des zum Subjekt gewordenen Individuums
zur globalen Norm, sogar zum Naturgesetz erhebt und die Differenz zur
Insuffizienz des Unterworfenen wandelt. Gleichzeitig gelingt es
diesem Konzept, den Eindruck der Selbstverwirklichung zu vermitteln,
wo es doch nur um Optimierung zugunsten eines entfremdenden
gesellschaftlichen Konzepts geht. Selbst wenn es, auch Moral
anrufend, um Weltverbesserung geht, so steht doch meist im
Vordergrund, dass man durch persönliche Angleichung seiner
Performance und seiner Lebenseinstellung dieses Ziel verinnerlichen
sollte, als wenn das Projekt Weltverbesserung im Übermaß auf die
Verantwortung des Einzelnen fallen würde oder sogar davon abhinge.
Findet eine solche starke Betonung der individuellen Verantwortung im
Werk statt, kann man, die ideologischen Umwälzungen der
post-keynesianischen Welt im Hinterkopf, wohl nicht umhin, die starke
ideologische Färbung desselben zu konstatieren. Nie aber steht das
Individuum allein und unschuldig neben den Gemeinheiten der Welt.
Stets fordert sie - diesen ideologischen Vorgaben folgend - den
Einzelnen ein, wo die Welt ihre Schuldigkeit ausbügeln muss, um der
benötigten Unterstützung einzuholen. Hinter diesem Werkcharakter
verbirgt sich ein weltgestaltendes Projekt, das vor allem eines nicht
gebrauchen kann: die Existenz von Politik. So wie es bei Rancière
zur Kongruenz der Begriffe Politik und Demokratie kommt, bedeutet die
Internalisierung der Politik, also die Verschiebung des politischen
ins Private, Postdemokratie3.
Kaum
eine weltformende Ideologie hat sich je so beflissen gezeigt, ihre
Existenz zu rechtfertigen wie der Neoliberalismus. Wenn Gemeinschaft
angerufen wurde, fiel es selbst den reaktionärsten Ideologien
leicht, sich unter Berufung auf die Gemeinschaft darzustellen. Der
Neoliberalismus kann sich, nach dem Siegeszug der Demokratie, hierauf
wohl kaum berufen. Daher entbehrt die Dichotomie von Anrufung von
Teamgeist einerseits und Betonung der Individualität andererseits
auch nicht eines schizophrenen Attests. Der Imperativ, sein Leben zu
ändern, ist vielleicht die Geißel des neoliberalen Ethos und
Ausdruck der mit ihm verbundenen Ästhetik. Dabei ist das, was „das
eigene systematische Denken wieder vermehrt auf das Individuum
aus[richtet]“4,
ganz gleich, ob es sich auf eine Anpassung an die
Leistungsgesellschaft oder eine gesteigerte Spiritualität im Sinne
des New Age und tantrischem Sex bezieht, allzu oft mit dem Motiv
belastet, "biografische Lösungen für Systemwidersprüche zu
finden"5.
Die zentrale Frage hierbei ist: Ist der Lauf der Welt dermaßen
vorbestimmt, dass eine Verbesserung der Welt nicht mehr
externalisiert werden kann und immer nur das Individuum sich nach der
eigenen Insuffizienz angesichts der Probleme der Welt fragen muss?
Anders gesagt: Welch dunkler Macht wollen wir uns unterwefen, die uns
verbieten will, die Frage nach der Verbesserung der Welt zu Stellen
und setzt an ihre Stelle die Optimierung des Individuums? Ein oft
zitierte Frage ist bei der Behandlung der Probleme der Welt, was der
Einzelne tun könnte. Dabei hofft die Ideologie, die sich zur
Beantworterin dieser Frage selbst erkoren hat, auf die Wirksamkeit
einer Symbolik, die -einem Fischschwarm gleich- durch den inpekablen
Glanz der Handlung Einzelner auf ein schwarmintelligentes Handeln des
Kollektivs übertragen soll. Der eigentliche Zweck ist aber bei der
Anrufung der Einzelinitiative die radikale Ausblendung jeglicher
systemischer Anomie. Nur der Einzelne trägt die Verantwortung für
alles Ungemach der Erde
und soll sich daher in einer zum Projekt geschrumpften Welt (wobei
Projekt eine finite Lösbarkeit impliziert) in allerhand „Übungen6“
bewähren. Diese Übungen, die Peter Sloterdijk in seinem Plädoyer
für Selbstoptimierung beschreibt, entsprechen der geradzu
biologistischen Hayek'schen Idee von konstanter, kreativer Anpassung
an eine unsteuerbar gewordene Umwelt, die nicht mehr Resultat
menschlichen Eingreifens sei, sondern der spontanen Ordnungen der
Märkte7.
So
kann man zwischen der sozial-interventionistischen Form des sozialen
Kunstwerks der 1970er Jahre und der Esthétique rélationelle
einen Wandel verzeichnen, der sich wie eine Analogie des
weltbildlichen Wandels vom Keynesianismus zum Neoliberalismus
ausnimmt.
Die
Frage jedoch nach dem Demonstrationsgehalt des sozialen Kunstwerks
nachdem historischen Einbruch des Neoliberalismus in die Kunst, lässt
sich mit der Augenscheinlichkeit eines Fingerzeigs8
beantworten. Der aufgezeigte Betrachter ist ins Werk vorgerückt und
verbessert sich zunächst durch seine Aktivierung und dann durch
kreative Anpassung. Aller Tendenz zum Trotz bleibt jedoch ganz
grundsätzlich immer die Frage, auf wen das Kunstwerk zeigt, bzw.
wohin es zeigt. Zeigt es auf den Betrachter und stellt es sich ihm
immer noch als Gegenentwurf zur Wirklichkeit gegenüber? Verweist es
aus seiner Realität ins Außen, welches es mit seiner Realität
anklagt ? Ist es gar - statt Gegenwelt - doch nur selbstgenügsam
atmende, durch Menschenhand nicht gestaltbarer Weltgeist ? Oder
befinden wir uns eben in einem Parralleluniversum der Kunst, jenseits
von gut und böse? Krümmt sich der Zeigefinger der Kunst lockend, um
den Betrachter in die Falle zu locken, in ein Paralleluniversum, das
sich gegen die Außenwelt dergestalt abschottet, dass sie deren
Existenz verneint ? Lockt es nicht eben mit der Option der
Gestaltbarkeit der Welt, welche es als Fazit verneint, wenn es das
Individuum als potenziell nicht wettbewerbsfähig aufzeigt?
Für
das Verhältnis zwischen Betrachter und Werk scheint ausschlaggebend,
ob das Werk sich jeweils in seiner Didaktik oder in seiner
Künstlichkeit zu erkennen gibt. Verschleiert es seine Künstlichkeit,
so tappt man in die Falle, ganz gleich wie freiwillig dieser Akt ist,
beziehungsweise wie benevolent der Betrachter sich der Täuschung
ergibt. Dabei gilt: die Didaktik kann die Künstlichkeit überflügeln
und umgekehrt. Die Frage stellt sich, ob der Charakter des
Kunstwerkes per se der einer Falle ist. Die Künstlichkeit ist
die Falle, die Lehrhaftigkeit der Köder. Umgedreht, kann die
Künstlichkeit der Köder sein und das Versprechen einer Lehre die
Falle. Wie auch immer, prinzipiell wird das didaktische Werk sich zu
erkennen geben müssen, will es seinen erzieherischen Wert nicht
verspielen. Sonst handelte es sich bei ihr schlechtenfalls nur um
Erbauung. Bäumt das Werk sich nicht zum Antagonismus auf, erhält es
die Täuschung aufrecht, so wird es nicht vermögen, einen
erzieherischen Wert zu entfalten.
Streckt
sich also ermahnend der Finger aus dem Gemälde, wie in einer
Karikatur von Ad Reinhard von 19469,
in der die unmittelbare künstlerische Hermetik des Kunstwerks den
wenig wohlwollenden Betrachter spöttisch ausrufen lässt :
« Ha, ha ! What does this represent ? » und das
Bild auf einmal humanoide Gesichtszüge bekommt, auf den Spötter
zeigt und fragt : « What do you
represent ? ». Die Kunst zeigt auf den Betrachter und
reklamiert den Unterschied zwischen sich selbst und dem Betrachter.
Die Rhetorik des Kunstwerks liegt frei. Der Betrachter muss sich ihr
stellen. Ist die Rollenverteilung diffus, womit sie übrigens schon
wieder neoliberaler Führungstechnik entspricht, so können zweierlei
Dinge passieren. Entweder der Betrachter wird zum Künstler oder zum
Werkstoff. Wird dem Betrachter Co-Autorenschaft zugebilligt, so muss
im Einzelfall entschieden werden, in welcher Weise dieses Verhältnis
im einzelnen ein gleichberechtigtes ist.
Mit
der Symbolik der hierarchischen Verflachung und vermeintlicher
Mitbestimmung wird aber, unter Zuhilfenahme also von
Bindungsstrategien des Toyotismus, der Betrachter in ein geradezu
ausbeuterisches Rezeptionsschema gezwungen. Seine unentgeltliche
Mitarbeit wird gebraucht. Oder schlimmer noch, wenn wir an die
horrend gestiegenen Eintrittspreise in Kunstinstitutionen denken,
auch noch die Bereitschaft, für diese Arbeit zu bezahlen, ohne dass
daraus ein konkreter Nutzen für den Kunstliebhaber zu erwarten wäre.
Dabei ist die « ästhetische Erfahrung » und der « Sense
of community », noch das Magerste, was hier mitgenommen wird.
Die ästhetischen Qualitäten partizipativer Kunstwerke halten sich
ja bekanntermaßen in Grenzen. Das Versprechen der Mitbestimmung
ersetzt eine erforderliche Kongenialität der Rezeption. Diese jedoch
würde ja eine Genialität des Werks erfordern. Kann aber ein
unfertiges, noch zu aktivierendes Werk diese besitzen ?
Sagen
wir also, es ginge im sozialen Kunstwerk um die soziale Erfahrung der
Begegnung und der Mitgestaltung. Warum sollte man diese in die Kunst
verschieben ? Die hiermit beantworteten gesellschaftlichen
Defizite, nämlich Vereinzelung und Mangel an Demokratie, sind Teil
eines Erbauungs-Pakets. Die Ethisierung der kapitalistischen
Gesellschaftsordnung, kennt zwei Wege. Den einer Obrigkeit, die sich
betont bürgernah gibt und kollektiven Mitbestimmungsgefühlen bis
zum Populismus hin Ausdruck verleiht. Oder den der
Selbstorganisation, die durchaus oppositionellen Ursprungs sein kann,
aber der Konstitution des Neoliberalismus in dem Punkte entspricht,
mit Privatinitiative und dem bürgerlichem Engagement auf die
sozialen Probleme, die sich aus Deregulierung und dem Abbau des
Sozialstaats ergeben, zu reagieren. So verhüllt das Soziale sein
Verschwinden in einem Brokatmantel mit einem Dekor von
Gesellschaftsszenen.
Ist
zwischen Chefs und Angestellten, Herrschenden und Beherrschten,
Diskursgebern und -nehmern, und natürlich zwischen Künstlern und
Betrachtern nur noch schwer zu unterscheiden, mulitplizieren sich
Manipulationsmöglichkeiten und Verwirrung. „
1Jack
Finney: The Body Snatchers, Dell Publishing, New York, 1955.
3Jacques
Rancière: Demokratie und Postdemokratie. In: Alain Badiou et
al.: Politik der Wahrheit. 1997. S. 94–122.
4Der
Dreizehnrekordhalter, Rezension von Peter Sloterdijks Du mußt
Dein Leben ändern,
Andreas Platthaus in der FAZ vom
23. März 2009
5Siehe :
Ulrich Beck: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere
Moderne. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1986, siehe auch Claire Bishop
6Vgl.
Peter Sloterdijk: Du mußt dein Leben ändern. Suhrkamp,
Frankfurt am Main 2009, S. 14 ff.
7Ralf
Ptak, Grundlagen des Neoliberalismus, in: Butterwegge,
Lösch, Ptak Kritik des Neoliberalismus, VS
Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2007, S.53
ff.
8Claude
Gandelman, Der Gestus des Zeigens, in : Der
Betrachter ist im Bild, Hg. Wolfgang Kemp, D. Reimer Verlag,
Berlin 1992, S.71 ff.
9Ad
Reinhard, How to look at modern art in America, PM, New York
City, 1946
Eran Schaerf erhält Käthe Kollwitz Preis
(unveröffentlicht)
Der seit 1985 in Berlin ansässige israelische Künstler erhielt am 20. September die mit 12.000,- Euro
dotierte Auszeichnung. Nach längerer Zeit ging der Käthe Kollwitz-Preis somit wieder an eine künstlerische Position mit politischem Gehalt. Im Zentrum von Eran Schaerfs konzeptuelle Arbeit steht die Auslotung sozio-kultureller Konstrukte. In verschiedenen Medien reagiert er künstlerisch auf aktuelle Fragestellungen einer sich täglich offenbarenden visuellen, sprachlichen und performativen Kultur des Politischen. Mit der Entscheidung der Jury fiel die Wahl nicht nur auf eine in Künstlerkreisen ungemein einflussreiche Position, sondern man besann sich auch auf die Namensgeberin Käthe Kollwitz und ihre politische Kunst. Die Jury würdigte ein Werk, das - nach eigenen Worten - in großer Distanz zu einer Kunst stehe, die sich allzu bereitwillig von den Agenturen ihrer Vermittlung abhängig gemacht habe. Dabei sei die Vermittlung selbst ein zentrales Thema in Eran Schaerfs Arbeit.
Eran Schaerfs Arbeiten sind Materialsammlungen und Anordnungen aus Foto, Text, Video, gesprochenem Wort, Objekt und Display. Sie sind Versuchsanordnungen, ohne abschließendes Ergebnis, in denen sich die Betrachter Inhalte auch erarbeiten müssen. Seine Autorenrolle, so Schaerf, sei keine strenge. Mit der Offenheit des Werks ist auch ein Teil der Autorenrolle in Umlauf gebracht. Bilder, Sprachfetzen, Objekte, Relikte stehen zu Aufnahme und Bearbeitung bereit. Neue Bilder zu schaffen, interessiere den Künstler indes wenig. Davon, so Schaerf, gebe es bereits genug. Mit dem sogenannten Visual Turn behaupten Bildwissenschaftler eine Autonomie des Bildes. Mit ungeahntem Eigenleben ausgestattet, soll es Diskurse ersetzen, Fakten schaffen. Wo einst Politik war, stehe das mediale Bild und installiere seine ihm eigene Herrschaftsform. Eran Schaerf misstraut jedoch diesem Konstrukt und verweist auf die Kontextualität eines jeden Bildes. Keines stehe nur für sich und immer rankte sich Sprache um das Bild. Hieraus bilden sich Kontexte. Diese können sich verschieben und dabei sowohl Verständlichkeit wie Glaubwürdigkeit einbüßen. Wie vielfältig, gar paradox diese Bedeutungsebenen sein können, zeigt Scharf anhand von Diashows, Hörstücken und Videoarbeiten, in denen Bilder, anhand der vielfachen über sie kursierenden Interpretationen, Übersetzungen und Bildunterschriften, die Verlässlichkeit ihres Informationsgehaltes preisgeben. Die Instrumentalität des Bildes ist untrennbarer Bestandteil von Bildpolitik. Seit je her ist sie ein Charakteristikum von Propaganda.
Spielt man die verschiedenen, widersprüchlichen Aufladungen des Bildes gegeneinander aus, wie Eran Schaerf es in seinen Arbeiten tut, so entsteht zunächst Zweifel. Folgend werden die Betrachter aus diesem Zweifel in eine Lage versetzt, in der sie die Bildanalyse nicht dem Künstler oder gar den Medien allein überlassen können. Selbstgenügsame Rezeptivität und Mediengläubigkeit kann es hier nicht geben. Dabei ist es gerade der Akt des Aufzeigen von Material, der zur Befragung von politischen Inszenierungen auf ihre visuelle Kultur dient. Found Footage, original oder inszeniert, verweist bei Schaerf auf die neuerlichen Aufführungspraktiken von Protestkulturen. Wo es im alten Disziplinarstaat den Protestbewegungen nur widerfuhr, anhand von Bildern Politik zu machen oder Ikonen der Protestbewegungen zu erschaffen, arbeiten sie im Zeitalter von Facebook, Twitter und Youtube direkt auf das Bildereignis hin. Doch ist die Deregulierung der Bilderregimes auch demokratisch? Findet Politik in und mit Bildern überhaupt statt oder ersetzten sie demokratische Prozesse ? Die bereits von Jean Beaudrillard lamentierte Agonie des Realen durchzieht dabei längst nicht mehr die Oberstübchen der Bild-Dichter und Bild-Denker, der protestierenden Massen, der Bildproduzenten und -konsumenten.
Aber ist die Faktizität, die wir Bildern nunmehr aufgrund ihres medialen Eigenlebens zusprechen nicht eine Täuschung über die Möglichkeit von Realität innerhalb der Bilder ? Diese interessanten Fragen weiß Schaerf zwar nicht zu beantworten, wohl aber zu stellen. Dabei geht es nicht um gelenktes Denken. Schaerfs lautes Nachdenken macht den Betrachter zum Mitdenker. Warum - fragt man sich - zeigen sich beispielsweise palästinensische Aktivisten in Hebron beim Obama-Besuch in den Westbanks mit Fotos von Rosa Parks, der Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung?
Kontextverschiebungen lassen neue Identitäten erstehen und Vertrautes positioniert sich neu. Entliehene Geschichte und Geschichten verdichten sich hier nicht zur Einheit. Gerade in ihrer Aufsplittung erzeugen sie Ahnungen von der Komplexität eines Bildes, sei es ein Stück aus den Medien, ein Kunstwerk oder Inszenierung einer kreativ gewordenen Protestkultur.
Der Preis der Nationalgalerie für junge Kunst 2013 ging an Mariana Castillo Deball. Die fünfköpfige Jury wählte aus vier vorgeschlagenen Kandidaten die in Berlin lebende Künstlerin aus. Geboren 1975 in Mexico City, arbeitet die in bildender Kunst und Philosophie ausgebildete Castillo Deball genreübergreifend zum Thema Mexiko. Anlehnend an einen Essay von Octavio Paz, beruht die Thematik aber nicht auf einem schlichten mexikanischen Nationalismus, sondern vielmehr auf dem Bewusstwerdungsprozess einer postkolonialen Kultur. Vor diesem Hintergrund soll aber weniger eine abgehandelte Identitätskrise befragt werden. Castillo Deball verortet die bereits historische Krise in ihren Repräsentationsformen. Im Hamburger Bahnhof installierte sie einen raumfüllenden, begehbaren Holzschnittstock, der eine fiktionalisierte Geografie aus der Zeit der Konquistadoren zeigt. Darauf indianisch anmutende Kostüme und andere Exponate. Die Künstlerin verweist auf museale, anthropologische und kunsthistorische Kulturtechniken, die sich mit der Repräsentation einer mexikanischen Kultur befassen. Dabei paraphrasiert der oftmals frei assoziative Umgang der Künstlerin mit archäologischen und ethnologischen Artefakten oder historischen Quellen den fiktionalen Gehalt so mancher Ausstellungsinszenierungen. Ihre Arbeit zeugt jedoch weniger vom Aufklärungswillen der Institutionskritik, als vielmehr von künstlerischem Selbstbewusstsein. Castillo Deball trotzt mit ihrer Arbeit dominanten wissenschaftlichen Standards und kratzt an gegebener Deutungshoheit. Erstmals war die Auszeichnung in diesem Jahr nicht mit einer Preissumme verbunden. Die ursprünglich mit 100 000 Euro ausgestattete Ehrung, seither mit stetig schrumpfenden Budget, baut zur Unterstreichung ihrer Relevanz nicht mehr auf Jackpot-Effekte, sondern vertraut ganz auf die eigene instituierende Kraft. Der Preis besteht fortan aus einer Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie. Dies sei die größere Wertschätzung, so Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie. In der Neuausrichtung des Preises sieht er letztlich eine Optimierung, aus der vielleicht ein neues Selbstbewusstsein der Institutionen gegenüber einem allzu flüchtig gewordenen Kunstmarkt spricht. Der Preis für junge Filmkunst ging ebenfalls an einen Mexikaner, den in Hamburg lebenden Dokumentarfilmer Victor Orozco Ramirez. Bis 12. Januar, Hamburger Bahnhof, Berlin
Wegen Zeigens des Hitlergrußes steht Künstler in Kassel vor Gericht
Foto: dpa
Wegen Zeigens des Hitlergrußes steht Künstler Jonathan Meese in Kassel
vor Gericht. In Mannheim soll er gar wegen Volksverhetzung verklagt
werden. In seinen Performances fordert er die Diktatur der Kunst und die
Abschaffung der Demokratie. Doch ist er deshalb eine Bedrohung für die
Demokratie?
Künstler haben mit ihrer Kunst an politischen Vorgängen keinen
unmittelbaren Anteil. Dennoch sind sie Teil der demokratischen
Gesellschaft. Ermächtigt ein Anteilloser sich der Politik, so entsteht
Demokratie, lehrt der französische Philosoph Jacques Rancière. Die
Demokratie gewährt die Freiheit der Kunst und schützt so das Recht auf
Andersartigkeit. In ihr liegt die Chance auf eine politische Kunst.
Seit dem Ende der Avantgarden hat sich die zeitgenössische Kunst immer
stärker normalisiert. Die Achtziger brachten noch das letzte Aufgebot an
Exzentrikern. Heute allerdings dominiert eine angepasste Künstlerschar,
von Vertretern der Kreativindustrie kaum zu unterscheiden. Diese
augenfällige Angepasstheit spiegelt einen veränderten Habitus, der
keinerlei Außenseiterrolle mehr reklamiert. Der neue Künstlertypus hütet
sich davor, potenzielle Geschäftspartner zu brüskieren oder sich
politisch zu kompromittieren. Negiert die Kunst dergestalt ihren
Antagonismus, verspielt sie ihr politisches Potenzial. Die Skandälchen
des Kunstbetriebs sind heute meist geplant und begrenzen sich auf die
dafür vorgesehenen Spielwiesen. Der Künstler als Bürgerschreck ist out.
Die domestizierte Kunst entfaltet so wenig widerständiges Potenzial, wie
die Konsensgesellschaft den Hauch der Demokratischen versprüht. Dissens
aber gehöre, so Rancière, zum Wesen der Demokratie.
Vermeintliche Hüter der Demokratie bringen jetzt einen Künstler wegen
angeblicher Verfassungsfeindlichkeit vor Gericht. Dabei werden
wesentliche Rahmenbedingungen der Kunst ignoriert: Die Andersartigkeit
und der Aufführungscharakter. Die Anklage negiert den Gegensatz von
Wirklichkeit und Kunst. Das Vorzeigen verfassungsfeindlicher Symbole
wird zu recht bestraft. Der Kontext jedoch ist wichtig. Meese betonte
gegenüber dem »Spiegel«, dass er eben nicht im Restaurant den
ausgestreckten Arm gezeigt hätte, sondern im Rahmen einer Aufführung.
Das ist juristisch anders zu bewerten. Ort und Art sind dabei
entscheidend.
Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut der Demokratie. Nichts wäre
undemokratischer als eine Demokratie, die es einem Künstler verbietet,
sie zu hinterfragen. Meese fordert lauthals den »Kein-Parteien-Staat«,
das »Ende von Menschenherrschaft« und die »Diktatur der Kunst«,
brüskiert damit den post-demokratischen Mainstream. Dieser reagiert mit
Kriminalisierung der Kunstfreiheit.
Nach den NSU-Morden und allerhand Blamagen geriet unsere Demokratie ob
des aufkommenden Argwohns um eine nunmehr doppelzüngig so genannte
Rechtsstaatlichkeit in Selbstdarstellungsnot. Der Prozess gegen Meese
nimmt sich aber gegen das, was unlängst einem Berliner Kunststudenten
widerfuhr, geradezu niedlich aus. Hier rückte die Polizei gleich mit
einem Sondereinsatzkommando an, um ein von ihm gemaltes Hitler-Porträt
zu konfiszieren. Ob mit solchen Eingriffen in die Kunstfreiheit die
Demokratie gehütet wird, während weiter verfassungsfeindliche
Rechtsparteien zur Bundestagswahl zugelassen werden, darf bezweifelt
werden.
Dienstag, 16. Juli 2013
DENIAL OF APPLAUSE
by Diego Castro
Talk held at CCC, Geneva, Spring of 2013
Night-time,
somewhere in Kreuzberg. While an overt- cool audience of youngGoth-Hipsters1
gathered to see a concert by three bands of the same genre, I was
most stunned by the mutual neglect between artists and audience. When
the music began, everybody stayed in place, continued their
conversations and turned their back on the artists. Not a single song
was seconded by applause. I was wondering about this particular
audience, celebrating New Wave retro, but being rather ignorant of
the intrinsic subculture and its cultural techniques. It has been
argued many times, that hipsters buy themselves into authenticity,
instead of trying to create something somewhat authentic. The key to
why this audience acted that way, could partly be found in a hopeless
attempt at achieving authenticity. The immanent codes I was familiar
with from back in the hey-days of Cold Wave seemed corrupt.
I can
reconstruct, why it would be classified as totally uncool to clap
your hands at a New Wave concert in the 1980ies. To explain this, I
think you need to recall the holistic concepts of counter-cultures at
the time. After Punk Rock, came this music with a very cold feel to
it. The “coldness” -yes you might want to associate Marshall
McLuhan here- was total. Also, it was a matter of celebration. It was
staged, without necessarily being fake. You would have to feel it, in
order to be able to express it. These negative expressions were
imbedded in a dramatic geopolitical and cultural situation, at the
height of cold war and existential trauma of a nuclear deadlock
between the USSR and the US, where nobody could make a move.
Simultaneously Rock 'n' Roll had come to a grinding halt. The
sensuality of rock music found itself reversed to paralysis. After
punk rock had blown up the the positivist sense of community of an
antagonistic youth culture, now come mainstream, New Wave came to
celebrate an emotional, under-cooled and introvert attitude. It
seemed like the total antipode of rock 'n' roll hysteria. Yet, it is
not to be confused with a lack of emotionality.
The
withdrawal to the inner psyche and the staging of one's own
perishableness, mirrored the dismantling of the welfare state in
Margret Thatcher's and Helmut Kohl's Europe. The threat of a nuclear
“Theatre Europe”, the galloping destruction of the environment
and ever increasing unemployment rates together with the beginning of
neoliberal hyper-individualisation, provoked a scenario, in which
positivism and vitality seemed out of place. They might have seemed
even more morbid than any kind of grim gothic chique. The
early eighties in this sense were probably more about a memento
mori in singular togetherness, in a community destroyed by
consumerist culture. Clapping your hands, back then, by some would be
looked upon as an impossible expression of positivity. If there's
someone on stage whaling death and mourning the senselessness of
human existence, why give him a positive feed-back? Applause? Uncool!
That would have been a commitment to not understanding the totality
of the cultural concept. But crossing you arms and just gazing at the
musicians could have been very cool. It would have been an act of
affirmation of the all-encompassing act.
But
what's the use of clapping your hands anyway? Applause, as we know,
means positive feed-back. It is an expression of taking pleasure in
an artistic rendition and a sign of respect. Applause knows many
forms, from academic table rapping to standing ovations. From people
shouting bravos and encores to the uniformed applause
at the congress of the Communist Party of China. The absence of
applause could be interpreted as rude or disapproving. Nevertheless,
spontaneous emotional demonstrations have not always been part of the
etiquette.
In the
19th century, as sociologist Richard Sennett2
reports, a change in relation to public expression happened. It was
very well to be spotted at theatres. Spontaneous emotional outbursts
were still a pretty normal thing back then. But it wouldn't take
long, until it was considered gross and ungentlemanly. The more
reservation became accepted as an expression of sophistication, the
more it would distinguish city-gent from country-yokel, upper-class
from working-class. In the beginning, even in city-theatres, later
only in country-side theatres without class separation, it wasn't
unusual, to interrupt the play's flux by shouting, spontaneous
applause or encores. They were normally granted with repetitions. Not
before long this became an sign of “barbarianism”.
What
followed was a polarisation of the audiences. Soon theatre would be
reserved to the upper classes and proles were to frequent the
terraces of football stadiums. The interesting part of this is: How
active participation of the audience came to disappear -for such a
long time, that it had to be “reinvented”. With the taboo of
public expressivity, enjoying culture now was associated with a
contemplative inwardness and the conoisseur would have to
inhabit his own, secret repertoire of sensuality to project himself
into the artwork. This sort of sophistication was partly owed to the
Wagnerian concept of the total work of art, demanding outright
submission to the synthesis of the arts. At the same time, the
ability to such humble devotion would be a sign of very distinguished
taste. Leaving behind the undercooled, mask-like appearance,
sharpened in the victorian age, easily could have meant a commitment
to lower social rank. This standard is still present today and stays
one of the standard codes within the techniques of social
distinction, as described by Pierre Bourideu3,
Thorstein Veblen4
or Norbert Elias 5.
[...]
So,
even where emotional expressions are allowed, they'll have to follow
codes and rules. Cheering, hissing, booing, chant -all this has its
place, say, in a rock concert. At the opera, you wouldn't probably
make a good impression.
So
coming back to the neo-goth concert mentioned above, the ostentatious
non-applause seems to be more of a cultural reference. Still, it
works as a rather harsh mechanism of inclusion and exclusion. And,
paradoxically, a sense of community here is expressed by radical
individualism, mutual exclusion and deliberate ignorance of each
other. This is what you can say about the social bonds between the
members of the audience. But what about the particular relation
between audience and performer?
As we
have seen, mutual ignorance is part of the game, intending to show a
high rank of individualism as social status. The community likes to
share this expression of independence. But they don't they need the
artists, nor their art, nor anyone in the crowd. Also, nobody wants
to submit to the hierarchy of orator and receptor. In this, again,
they show independence. Now, we all now, that this is staged. But
this is how the community creates a common value, that everybody can
relate to.
Communication,
based on apparent non-communication, as absurd as it seems, quite
powerfully resets the mentioned hierarchy between artist and
audience. The artists carry out their act, but are fully ignored.
Invisibility despite physical presence, has in our cultural history
always been an expression of depreciation, as Frankfurt School
Philosopher Axel Honneth writes in his book on “Invisibility”6.
The
master “looking through” the servant is one classic example of
how class hierarchies were installed mischievously. The master didn't
hesitate to take his clothes off in front of his servant. Pudency, a
monolithic value of puritanism, was to be disabled, in a means to
subtly put the servant into place: He is not attributed with basic
human qualities.
Now,
with our Goth-Hipsters, we have a rather absurd situation: mutual
ignorance. The audience shows it's independence from the artist and
the musicians stubbornly do their act, as if they don't care. Nobody
gathers in front of the stage, everybody is independent. But is this
freedom from the rituality and the two-way denial of hierarchies a
factual representation of autonomy? Are those hipster-kids not just
simply unable to cope with the activation of the individual that has
become de rigeur with neoliberalism? After all, they are
facing a situation (if we follow Richard Sennett's concept of the
City as a theatre7)
in which self-realisation has become extremely performative and a
competitive act within an economy of attention. The spacial relation
between people, once maybe submit to other criteria for
classification, now has hit economical character in a struggle for
space. What we have found here, is a culmination of something that
Sennett already coined in the 1970ies as “Tyranny of intimacy”.8
If you will, a blend of narcissistic self-absorbation and social
disintegration.
The
present combination of goth morbidity, consumerism and autistic
behaviour possibly sheds light on the difficulties of a whole
generation, to interact with a regime of manifold, yet prefab
emotions, that they are submitted to by consumerist culture.[...]
However,
in a world of hyper-sexualised shower-gels, terminal refreshment or
lascivious online-banking, paradoxically pessimism is no longer a
refuge from the horror of inexpensive pleasures. Just as good
feelings, bad feelings have been commodified by cultural industry:
The colonisation of the body thus does not catapult those, who
actively submit themselves to it, into victimhood or passivity: If
you are fully consumed with consumerist culture, you'll compliantly
invest yourself into it. So the hostility of the gesture of ignoring
the other is a negative expression of an economy of attention. By
seemingly denying expressive acts, I increase my market-value.
Recognizing the other's ostentation in the act of neglect could thus
lead to an inflation of this market-value.
As
Honneth puts it: “The thought, that expressive acts of approval
figure a meta-act, allows us to read the manifested motivation as
follows: The actor expresses with a benevolent Gesture, that he is
willing to grant to the addressee only such impulses, that are of
benevolent character. So the tonality of the gesture anticipates, of
which kind the benevolent action might be.”
In
other words: Taking your part in the audience and signalising
affirmation, grants the actor with an aura of positive feed-back
about to happen, that he can rely on. The whole communication and
range of possibilities to be explored within the dramaturgy is set by
affirming the given roles in one way or another. The set of
possibilities of any performative act, thus, is predefined in this
manner. It is a matter of confidence.
In the
reversal of the hierarchy between performer and audience, the
benevolence also is reversed and the confidence is disturbed. Denying
applause, hints at the performer's debt in front of the paying
audience, that now shows it's financial independence by despising the
purchased good. The whole set of possibilities is suddenly
straitened. Once the reversion has happened, it is impenetrable. Face
to an inverted benevolence, the only possibility to survive in this
situation is to mutually ignore each others. If the band would stop
playing, it would be an affirmation of the reversed economy already
set in place. With respect to the social economy set in place here,
maybe you can say that the trade-value exchanged here is suffering
from hyper-inflation.
What
we have here, is a poly-centric heteronomy, meaning we have an
egotistic community, focussed on an economic trade of personal
values, all set in place by debited benevolence. The sense of
community is -as sinister and fatalistic as it seems- carried out by
its denial.
What's
that spell? FUCK!
What
if the connection between orator and listener is not quite as
hierarchic, as insinuated here? The austrian Philosopher Robert
Pfaller raises the question in his writing on the aesthetics of
interpassivity, by referencing Marshall MacLuhan9:
If that hierarchy between sender and receiver is barely existant, the
dissolution of it can hardly represent democratisation. Moreover, the
dissolution can be an integral part of a hierarchy, set by any of the
two parties.
Clip: Country-Joe Mac Donald, dialogue with audience at Woodstock.
This
is an ironic comment on a pre-existant rock 'n' roll cliché. Country
Joe needs the audience for the joke to happen. The joke will be on
the audience's account, as they are forced to carry out a joke on the
affirmative logics of a rock 'n' roll performance, and hence they
will have to make a joke on themselves. So here again, in a humorous
way, the benevolence of the audience is not only taken for granted,
it is being pushed to the limit. Quite rude, if you will -but: who
cares? Everybody can have a jolly good laugh.
But
the set for situations like these is not so spontaneous or casual as
it might seem. It's rather complex and has to do with a beforehand
subscription into certain logics of performativity. For example,
standing in the queue and buying a ticket at the box office, already
signalises the will to commit an immersive act. Once in front of the
spectacle, immersion is demanded, but from an audience that has
partly already given into it. Now, there is a funny momentum, where
certain cultural techniques have to be set in place in order to let
the immersive act happen. There is a whole language of signs and
signals of the kind in rock spectacle. If these ritualised acts are
carried out, they might help to intensify immersion. Head-banging is
such a ritual, aiming at an ecstatic effect. Very often these acts
are quite sexualized. However, it is all about overcoming inhibition
and experiencing community. Having Dan Graham's “Rock my religion
in mind” it is very interesting to think of the duality of
self-liberation and submission to a group dynamics and ideologies.
The conversion of riddance into an expression of bondage is a central
figure in the cultural techniques of many religions. Freedom and
relief are finally found in submission to godhood. Subjective
feelings of freedom are thus reversed into submission. I don't want
to expand on this, but I'd like to say, that this is a very important
mechanism, that can also happen in participation.
The
reversion of immersive acts have widely become accepted as another
figure in the repertoire. The times when there was something new
about it are long time over. So when punk-singer Jello Biafra jumps
off stage, in attempt to democratise stage logics, it is something
that not only has become very difficult to symbolise today. Also, you
simply have to ask yourself if actually a battle is won, when a naked
sweaty guy jumps into your face? And: does the dispersion of control
and delegation of authorship really mean democratisation, when it is
not based on the same distribution of skills? The gradient of power
between artist and audience is based on skills and hence is hard to
overcome.
Jürgen Habermas describes how the
act of emancipation of the individual from the violence of the
generality leads to the subsumption of the individual under
the regime of the generality, where everything falls into place. Now,
all kinds of acts of disobedience, subversion and so on are
imaginable here. The reference system though is a post-materialist
context, in which a perfidious violence is exercised upon resistance:
it is tolerated but has no escape from a given conformity of the
unconventional. Of course you can always subvert the hierarchy of the
performance. A performer can only master the situation for as long as
somebody doesn't steal the show. But if you want to do so, please
consider: what kind of gratification are you going to expect?
First
you might want to think of what it's like to be in that role. What's
the good of being on stage and being gazed at by a crowd. More
liberties seem to be granted to the performer. But then again: no!
The audience's awaiting of the spectacular is a heavy burden. The
first freedom you won't be able to dispose of, is the freedom to be
passive. The crowd won't let you sit down and have a cup of tea. We
all know this. Basic knowledge of the spectacle.
So
once you're out there, just ask yourself: is it nice to take your
clothes off and stage dive? Maybe. But what about rolling in broken
glass and being whipped by men in SS-uniforms, like Iggy Pop and the
Stooges? Or being slapped on stage, while others watch? Or just the
mere fact of standing on stage and having to say something. Well, I
guess we all have experienced stage-fright at one point. If you've
got a mike in front of you, but feel, like you've got nothing to say
or even worse: the awareness about your lack of talent closes in on
you, it can be pretty tough. So, as we learn, passivity is not a bad
thing per se. I personally think, that the activation of the
public inherent in participative art is not only a reproduction of
neo-liberal work-ethics (de-hierarchisation, flexibilisation,
pressure to perform), it sometimes also is a very violent act as
such.
If you
participate in one of Carsten Höller's works, slipping down a slide
in a museum, or doing all kinds of childish things, you might look
like a clown. I personally always thought that I wouldn't want to
trade my dignity for some silly art experience, that I am asked to
blindly follow. Höller promises the participant the experience of
infantile joy as some form of liberation, in total ignorance of the
negative experience of being pierced by the looks of other visitors,
while you turn into a guinea pig. I am convinced, that going naked on
the tubeway during the rush-hour possibly is just as much fun.
[…]
Does the impetus to act in relational art follow an urge or a desire
to enjoy artistic experience? To cut a long story short, there is
more of an urge to the homo ludens to submission, especially
if art is to be seen as an expression of a higher morality. The
bourgeois convention of art as a higher state of mind and moral is
quite questionable, especially when you ask yourselves, what kind of
deficit it aims to compensate?
WOLFGANG
FLATZ Clip from performance
In
1979 the austrian performer Wolfgang Flatz offered 500,-DM to
anyone who would throw darts at him, acting as a naked, living
target. With this he inverted the bourgeois stereotype of the artist
being of a higher moral integrity or acting out morality, while the
viewer enjoys the edification of his soul. Flatz delegated the moral
act to the spectator, so he would be under pressure to carry out an
act of moral integrity, or else find the lack of it mirrored in a
passive artist.
This
coercion of liability upon the passive viewer is an activation quite
different from the ones I have spoken about before. Also, it is an
open artwork, where several outcomes are possible. I tend to see
participation as also a delegation of authorship. Well, you can ask
yourselves, everytime you see a participative artwork if this is
actually the case. Anyhow, Wolfgang Flatz has, since the 1960ies more
than just played with this inversion of authorship and judgement. He
would always put himself into very violent situations, where the
public had the choice to help him or to injure him, just for the fun
of it. But funnily enough, an invocation of ethics can bring about
the worst in men. And talking about this kind of performative
participation as an image, the depiction of human suffering does not
necessarily provoke empathy. If the image originally is designed to
hold up a mirror to the spectator, at times the reflection might just
look like in the final scene of Bob Fosse's “Cabaret”, when the
camera is panning over a reflection of the audience in a copper
wainscoting: What you see is an image of an audience having turned
into Nazis. Or like in an another scene from Fritz Lang's
“Metropolis”, where the gentlemen watching the dancing humanoid
Maria have turned into a drooling pack of wolves. [...] The audience
wants Flatz to get slapped in the face, it wants Iggy Pop to
cut himself in broken glass or that Ian Curtis to break down on stage
with an epileptic seizure.
In
Ian Curtis' own words:
”In the shadowplay,
acting out your own death,
knowing more
As the
assassins all grouped in four lines, dancing on the
floor, And with cold steel, odour on their bodies, made a
move to connect I could only stare in
disbelief as the crowds all left”10
And
possibly you can get a sense of why the spectators would want to dive
into the exposed world-weariness on the one hand, and on the other
not want to experience Catharsis. On the contrary, they would not
only want to remain in Éleos (pity and mercy) and Phóbos
(horror), they ask for an amplification of pain, until excess and
even physical death of the protagonists. The lust for pain reigns.
The intrinsical impetus of experiencing the pain of another as one's
own, here changes from masochistic to sadistic tendency. The artist's
destiny seems irrelevant. And as the artist takes off his mask, the
situation worsens: He has to discover that he inescapably is the
victim of the image he has created. So, in the communication between
performer and audience there can be a violent and very negative form
of participation, that negatively culturalises a sadistic relation
between profoundly authoritarian character and the deviant. The stage
merely is a cultural margin, preventing us from acts of
barbarianism.
Henry Rollins beating up a fan.
1“A
hipster goth, at the core, is a watered down simplified version of
Goth. As with the nature of Hipster fashion in general, they simply
take bits and pieces of goth fashion and pair it together.
Typically, without any regard to real Goth or the Gothic lifestyle.
Even going as far as disrespecting the Goth lifestyle. They are also
obsessed with black and white: clothes, hair, photos etc.”,
gloomnation,blogspot.com, Sunday, December 18, 2011
2Richard
Sennett, “Flesh and Stone: The body and the city in western
civilisation”, W W Norton & Co , 1994
3Pierre
Bourdieu: La distinction. Critique sociale du jugement. Paris
1979
4Thorstein
Veblen: The theory of the leisure class, 1899
5Norbert
Elias, John L. Scotson: Etablierte und Außenseiter. Suhrkamp,
Frankfurt/M. 2002
6Axel
Honneth, “Unsichtbarkeit. Stationen einer Theorie der
Intersubjektivität” Suhrkamp, Frankfurt/ Main, 2003
7Richard
Sennett: Flesh and Stone: The Body and the City in Western
Civilization, W W Norton & Co, 1994
8Richard
Sennett: The Fall of Public Man, Knob, NYC, 1977
Der Einfall, mit dem Bau architektonischer Wahrzeichen Impulse für die Stadtentwicklung zu geben, ist ein alter Hut. Ob Kunsthalle oder Oper, stets sollte die Kultur die Stadtentwicklung beflügeln. Bereits in den 1960er Jahren entstanden städteplanerische Interventionen, die oft in sozialen und inklusiven Kulturkonzepten ihren Ursprung hatten. Wie die jüngere Baugeschichte gezeigt hat, setzte sich aber eine eher kommerzielle Idee vom Kulturzentrum als städtebaulicher Faktor durch. Mit der Einführung von City-Rankings geriet die Landmark-Architektur zum Leitmotiv im Wettstreit der Metropolen. Von spektakulär gestalteten Kulturinstitutionen erhoffen sich Städte den wirtschaftlichen Kick-Start. Die sich wiederholenden Konzepte neoliberalen Stadtmarketings, Städte durch den Bau prestigiöser Architekturikonen wirtschaftlich anzukurbeln, betreffen mittlerweile fast jede europäische Metropole. Nicht immer gereichen diese Pläne zum Vorteil. Die synergetischen Auswirkungen von Frank O. Gehrys kühnen Guggenheim-Museum auf die einst strukturschwache Region Bilbao wurden gefeiert. Sie prägten den Begriff Bilbao-Effekt, der für Landmark-Architektur als strukturpolitisches Allheilmittel steht. Über die mangelnde Nachhaltigkeit besagten Effekts, sowie über die Schwierigkeiten, in einer derart dominanten Architektur Kunstwerke adäquat zu präsentieren wird, jedoch ungern geredet. Auf die Spektakularisierung der Kultur folgte ein baldiges Abflauen des Tourismus. Die mühsam angekurbelte Lokalwirtschaft verlor wieder an Schwung. Probleme der Budgetierung und negative soziale Auswirkungen werden gerne unter den Teppich gekehrt, wenn es darum geht, ein investorenfreundliches Klima zu schaffen. Im Städtewettbewerb scheint das Architektur-Spektakel unausweichliche Logik. Die Folgen -Gentrifizierung und Haushaltsdefizite- sind bekannt. Mit „Kultur: Stadt“ zeigt die Akademie der Künste jetzt eine Ausstellung, welche sich der Kulturinstitution als urbanen Impulsgeber widmet. Anhand von 37 Beispielen erhält man einen interessanten Einblick in sowohl historische als auch aktuelle Bauprojekte und Interventionen. In sechs Sektionen unterteilt Kurator Matthias Sauerbruch verschiedene strategische Vorgehensweisen, Stadträume kulturell zu aktivieren. Dies gelingt ihm durch eine vielfältige Auswahl. Viele der gezeigten Architekturen sind bereits bekannt. Das ist aber kein Problem, im Gegenteil: Die Ausstellung bietet detailreich und nicht ohne kritische Töne Informationen, deren Komplexität sich der öffentlichen Diskussion nicht selten entzieht. Innovativ die Idee, die gesamte Ausstellungsdidaktik per Tablet-Computer erlebbar zu machen. Neben kurzen Infotexten und Hintergrundwissen wird auch eine informative Video-Tour des Kurators geboten, sowie Filmbeiträge von Studenten der Berliner Film- und Fernsehhochschule DFFB.
Kostenexplosion und Verschleppung, wie am Beispiel der Hamburger Elbphilharmonie, bleiben nicht unerwähnt. Die Ausstellungsmacher legen jedoch Wert darauf, dem Besucher Raum für eigene Schlussfolgerungen zu lassen. Trotzdem hätte man sich hier und da etwas schärfere Töne gewünscht, insbesondere bei der Frage nach der Sozialverträglichkeit urbanistischer Interventionen. Positiv zu vermerken ist eine nicht nur auf Großprojekte beschränkte Sichtweise. Alternativen und leiseren Tönen wird ebenso Raum gegeben. Generalisierende Vorstellungen von städtischer Transformation werden entgrenzt. So erfährt man, wie eine monatliche Suppenküche zur Tauschbörse sozialer und basisdemokratischer Ideen zur Stadtentwicklung wird. „Detroit Soup“, ein von Kate Daughdrill und Jessica Hernandez initiiertes Kunstprojekt, reagiert auf Rezession und schlechte Sozialpolitik mit einer Mischung aus partizipativer Kunst und Sozialarbeit. In großen Versammlungen wird Suppe gereicht, dann werden Selbsthilfeinitiativen zur Verbesserung der Lebensqualität in den verslumten Stadtteilen Detroits vorgeschlagen. So entstanden bezahlte Pratikumsplätze für Arbeitslose oder Schlafsäcke für Obdachlose, finanziert durch Spenden und den Verkauf von Suppe. In einer Arbeit des Konzeptkünstlers Jochen Gerz erfahren wir, dass städtische Entwicklung auch eine Frage der Mitsprache ist. In „2-3 Straßen“, ein Projekt mit 78 Teilnehmern, verdichtet sich in Buchform, dass eine Stadt ein kollektives Narrativ ist und viel komplexer als so mancherlei technokratische Inspiration, die aus Star-Architekt plus Opernhaus urbanistische Zukunftsmusik komponieren möchte.
Die Ausstellung, zu der auch ein Katalog erscheint, wird von einem reichhaltigen Veranstaltungsprogramm begleitet und ist noch bis zum 26. Mai in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, in Berlin-Tiergarten zu sehen. Der Eintritt ist am 1. Sonntag im Monat frei. Weitere Informationen auf: www.adk.de