Sonntag, 14. Juli 2013

Februarauktionen Kunstmarkt

Kunst und Markt: Talfahrt mit Glitzern

Wenn das Jenseits Konjunktur kriegt: Die Februarauktionen in London

erschienen im Neuen Deutschland 13.2.2013

Die letztjährigen Auktionsergebnisse von Christie's und Sotheby's scheinen das Karl Marx zugeschriebene Zitat zu bestätigen: »Wo der Glaube ans Diesseits zerfällt, kriegt das Jenseits Konjunktur.« 2012 sackten die Ergebnisse für zeitgenössische Kunst weiter ab. In der aktuellen Wirtschaftskrise konzentrierte man sich lieber auf die Werke verstorbener Künstler. Historisch abgesicherte Werke des Impressionismus und der klassischen Moderne versprechen da eher krisensicheres Investment. Mit anderen Worten: In der Rezession boomt der Kunstmarkt zwar. Für die bevorstehenden Contemporary-Auktionen in London ab dem 12. Februar drohen jedoch weitere Einbrüche. Auf der jüngsten ArtTactic-Rangliste der besten zeitgenössischen Künstler sind die All-Stars des Hochpreissegments dramatisch gefallen. Spitzenreiter Gerhard Richter rutschte auf Platz 7. Der britische Kunst-Star Damien Hirst stürzte sogar auf Platz 89.
1991 eroberte der medienbewusste Hirst mit Skulpturen aus in Formaldehyd eingegossenen Tieren die Herzen einer neuen Sammlergeneration. Mit Höchstpreisen wurde er zum Inbegriff der Young British Art. YBA, so das Kürzel jenes publicity-trächtigen Kunstlabels der neunziger Jahre, war eine konzertierte Aktion von Sammlern, Galeristen und Presseleuten. Hauptsächlich Absolventen des Goldsmiths College waren es, die mit milder Schock-Kunst den stagnierenden britischen Kunstmarkt wiederbeleben sollten. Analog zu Tony Blairs triumphalen Wahlerfolg, zur Brit-Pop-Welle und zum wirtschaftlichen Aufschwung gewann die YBA an Bedeutung. Vom Underground stieg sie steil auf und etablierte sich zur Vorzeigekunst eines neuen britischen Selbstbewusstseins. Nicht zuletzt durch das Engagement des Werbemultis und spekulativen Kunsthändlers Charles Saatchi geriet die neue britische Kunst zu einem Produkt, das vielleicht mehr Pop als Art war. Doch der Glanz sollte weichen. Vermehrt unterstellten Kritiker dieser Kunst mangelnde Substanz. Inflationär behauptete Sensationen und Schocks wurden zum Charakteristikum einer Marke, die ebenso schnell an Wert verlor, wie sie rasant gewachsen war.
Nach dem kurzen Boom begann Großbritanniens Wirtschaft zu kriseln. Der Traum vom neoliberalen Überflug war ausgeträumt. New Labour hatte sich nicht bewährt. Britpop war out. Tony Blairs Popularität im Keller. Die Barings Bank bankrott. Auch die Kunst hatte zu hoch gepokert. Selbst wenn sich Einige halten konnten und mit Preisen und Professuren bedacht wurden; die Marktwerte fielen unaufhaltsam. 2004 wurden bei Saatchi durch einen Großbrand wichtige Schlüsselwerke der YBA zerstört. 2007 begann die Banken-Krise und Tony Blair verlor sein Amt. Im selben Jahr erschuf Damien Hirst, bereits angeschlagen, das Werk »For the love of god«. Die Skulptur, ein mit Diamanten besetzter Schädel, sollte das teuerste Kunstwerk eines lebenden Künstlers weltweit werden. Schlappe 50 Millionen britische Pfund wurden für das Werk des medienbewussten Künstlers angesetzt. 8601 Diamanten bedecken den Abguss eines menschlichen Schädels aus Platin. Auf der Stirn ist gar ein 52-Karäter eingelassen. Allein die Produktion der Skulptur kostete offiziell 14 Millionen Pfund.
Wie kein anderes Kunstwerk steht es für die Kurzlebigkeit der Kunsthypes. Mehr noch, belegt es fast seismographisch die Auswirkungen der Sub-Prime-Krise auf die Realwirtschaft. Die Risikobereitschaft, in zeitgenössische Kunst zu investieren, schwand mit der Prognosefähigkeit erschütterter Märkte. Der gesamte Contemporary-Sektor ist bis heute davon betroffen.
Doch Not macht erfinderisch. Auf einen Pressebericht, demzufolge besagtes Werk unter Preis verscherbelt werden sollte, reagierte Hirst umgehend. Angeblich verkaufte er es zum vollen Preis an ein geheimes Konsortium, dem auch er angehöre. Die Bezahlung sei unquittiert und in bar erfolgt. In Kunstkreisen kursiert seither das Gerücht, ein Verkauf habe nie stattgefunden. Vielmehr sei es ein Versuch, Hirsts Marktpreis neu zu positionieren. Auch die angeblichen Produktionskosten werden bezweifelt. Diese beliefen sich höchstens auf sieben bis zehn Millionen, so ein Experte der Londoner Diamanten-Börse.
Das Kunstwerk bezeugt so auf ganz unerwartete Weise seine inhärente Botschaft: Memento mori, Gedenke deiner Sterblichkeit. Wer auch immer der Adressat dieser Botschaft ursprünglich sein sollte - das Hochpreissegment des Kunstmarkts oder gar die Konsumgesellschaft - jetzt heißt es return to sender! Die Mär vom fingierten Verkauf und der fiktionalisierte Wert des überteuerten Kunstwerks waren schlechte Publicity für Hirst. Sein Marktwert blieb davon jedenfalls nicht verschont. Sotheby's bot letzten Dienstag eines seiner Werke von 1995, das 2006 noch für 3,4 Millionen Dollar ersteigert wurde, für nur noch 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund an.
Wird symbolisches Kapital zu sehr hinterfragt, gilt es Vertrauen zu schaffen, um Krisen abzuwenden. Der junge Kunstmarkt muss also für ein besseres Investorenklima mehr Sicherheit vermitteln. Auch hier kann die Kunst von der Wirtschaft lernen. Nach den Implosionen der Marktblasen fangen die Rettungsschirme die Talfahrt ab. Ein ähnliches Sicherheitskonzept fehlt diesem Kunstmarktsektor. Doch Hilfe kommt von ganz unerwarteter Seite:
Swarovski, der österreichische Hersteller erlesenen Schmucks, stellte vor einigen Tagen ein Accessoire vor, das endlich verschwenderische Schönheit mit der nötigen Sicherheit kombiniert. Der Swarovski-Helm, ein Fiebertraum in Feinschliffglas. Nicht etwa billiger Strass, sondern Bling-Bling für den gut gefütterten Geldbeutel. Was beim Shoppen mit der Vespa in Saint-Tropez oder auf der Piste in St.Moritz neidvolle Blicke erntet, könnte nun auch dem britischen Künstler in seiner wohl bittersten Krise helfen. Damien Hirst ist der Kauf der bizarren Kopfbedeckung zu empfehlen. Auf den diamantenen Schädel gesetzt, verspräche diese endlich Sicherheit mit Dividende!

Samstag, 7. Januar 2012

Daniel Frese Preis an Diego Castro

HFBK-Doktorand Diego Castro erhält Daniel-Frese-Preis

Diego Castro, der seit 2010 an der HFBK promoviert, ist mit dem Daniel-Frese-Preis ausgezeichnet worden, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wurde. Die Verleihung fand am 7. Juli 2011 im Fürstensaal des Rathauses der Hansestadt Lüneburg statt. Robert Fleck, Intendant der Bundeskunsthalle, Bonn, überreichte in seiner Eigenschaft als Laudator die Urkunden in jenem Fürstensaal des Rathauses, der eine der Hauptwirkungsstätten des Malers und Kartographen Daniel Frese in der späten Renaissance war.

Zum ersten Jahresthema »Kunst und ihr Markt« waren 28 Entwürfe aus der Projektregion eingereicht worden. Neben Diego Castro wurde auch die Künstlerin Katja Staats mit dem Preis ausgezeichnet, der künftig jährlich vergeben werden soll. Der Fachjury für den Daniel Frese Preis gehörten im Jahr 2011 an: Prof. Dr. Beatrice von Bismarck (Rektorin der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig); Prof. Thomas Locher, Künstler (The Royal Danish Academy of Fine Arts, Copenhagen); Bernd Milla (Geschäftsführender Direktor der Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart); Nikolaus Oberhuber (Galerie Koch Oberhuber Wolff, Berlin); Dr. Julia Moritz (Kuratorin KIM); Dr. Christoph Behnke (Leitung KIM).

Die Realisierung der Entwürfe von Diego Castro und Katja Staats erfolgt in Zusammenarbeit mit den Kurator/innen der Ausstellung »Demanding Supplies − Nachfragende Angebote« im Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg im November 2011. Die beiden neu entwickelten Arbeiten der Preisträger/innen des Daniel Frese Preis werden mit internationalen Positionen der zeitgenössischen Kunst verknüpft.

Diego Castros Entwurf schöpft aus einer Werkgruppe aus den Jahren 2005-2010 der vom Künstler als Projekt entwickelten »Immaterialistischen Internationale«, die nicht zuletzt an die Dematerialisierungsthese einer Strömung der Conceptual Art anschließt. Der künstlerische Zugang von Castro verbindet verschiedene Medien, Videos, Installationen, Performances, Texte und Zeichnungen. Eine kritische Reflexion des Kunstmarktes liegt der Produktion der »Immaterialistischen Internationale« zu Grunde, wobei figurative Zeichnungen sich u.a. auf die Themenkomplexe Kunst und Kunsthandel, Kunst und Institutionen, Arbeitsbedingungen für Kulturarbeiter/innen, Produktionsmittel und Distribution beziehen. Ein besonderes Interesse von Castro gilt Fragen des Copyrights, wie sie z.B. im Anschluss an die Creative-Commons-Initiative diskutiert werden.

In der Begründung der Jury heißt es: »Mit großem Einvernehmen wählte die Jury den Wettbewerbsbeitrag von Diego Castro für den 1. Platz des Daniel- Frese-Preises aus. Er sieht eine multimediale Präsentation vor, die sich − teils kritisch, teils eher belustigt − mit den ökonomischen Einflussfaktoren im Kunstfeld auseinandersetzt. Castro gelingt es dabei, nicht nur eine Reflexion seiner eigenen künstlerischen Praxis im Spiegel ihrer eigenen Vermarktung sichtbar werden zu lassen, sondern auch, diese Auseinandersetzung in ein treffendes räumliches Bild zu übersetzen. Der Entwurf überzeugte die Jury nachhaltig als ein eigenständiger und zugleich an die aktuellen internationalen Debatten zum Verhältnis von Kunst und Markt anschließender künstlerischer Beitrag.«
(Quelle: Web-Seite der HfBK Hamburg)

Ausstellung:
DEMANDING SUPPLIES
Phase 3: Besides Reproduction

Daniel Buren, Diego Castro, Maria Eichhorn, Katja Staats
Stephan Dillemuth, Loretta Fahrenholz, Phillip Zach
nOffice

5. November – 22. Dezember 2011
Eröffnung: Freitag, 4. November 2011, 19h

Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg, Campus Halle 25
Öffnungszeiten Di – Do, Sa 14 – 18h

Freitag, 25. März 2011

Polen schafft sich ab.

Bilder aus einer neuen Reihe von Arbeiten, die sich mit der deutschen Aussenpolitik und diplomatischen Supergaus eines Deutschland beschäftigen, dass nich national und militärisch restauriert. Ausstellung im April bei www.gittebohr.de


"Blondi 2.0", Bleistift auf Papier A2, 2011

"Erika", C-Print, 2011
"Ich erkenne die Westgrenze Afghanistans an",  Performance, Deutsche Botschaft, Warschau 2010
"Formen der Restauration", Bleistift auf Papier, Din A2, 2011





"Wiederholung des Kniefalls", Performance vor dem Denkmal für die Opfer des jüdischen Ghettos in Warschau, 2010

Samstag, 19. Februar 2011

Aktuelle Ausstellung.

RE CO CO

liFe under 
representational 
regiMes
5 — 26 FeB 2011
Diego Castro: Installation view at White Space, Zürich



Boaz arad & 
Miki kratsMan
ariella azoulay
diego Castro
FranCesCo Finizio
thoMas galler
roee rosen 
anna Witt
hannes zeBedin





White spaCe
// office for Curating / art / theory
Militärstr. 76, 8004 Zürich
www.whitespace.ch
info@whitespace.ch
ÖFFnungszeiten
Mi 15—18 h
F r/S a 14—18 h
opening tiMes
We 3—  6 pm
Fri/Sat 2—  6 pm



W e i t e r e  stAt i o n e n
F u rt h e r  v e n u e s
Kunsthalle Exnergasse Vienna
Währinger Strasse 59
1090 Wien
http://kunsthalleexnergasse.wuk.at
12.Mai —18. Juni 2011
eröffnung 11.Mai 2011 — 19 h
12 May —18 June 2011
Opening 11 May 2011 — 7 pm


Digital Art lab in Holon
16 yirmiyahu Street
holon 58835, israel
www.digitalartlab.org.il
dez 2011—  feb 2012
dec 2011—  feb 2012
eine ausstellungsprojekt kuratiert von 
Siri peyer und Joshua Simon
an exhibition project curated by 
Siri peyer and Joshua Simon


http://www.whitespace.ch/downloads/ReCoCo-Life%20Under%20Representational%20Regimes.pdf

Montag, 31. Mai 2010

Walrecht für Aale!





Dienstag, 2. März 2010

Castro bei Electron, 5.3.2010 BAC, Genf


curated by Marie-Avril Berthet


Auf dieser Ausstellung zeige ich eine Zeichnung und zwei Videos, die ich speziell für die Ausstellung. Thema war die Feier, die auf dieser Ausstellung sehr unterschiedlich interpretiert wurde und ich möchte sagen, dass sich meine Beiträge wohl mit am stringentesten zur Thematik verhalten. Beide Videos sind Collagen, die sich mit der Loveparade und ihrem historischen Kontext, dem wiedervereinigten Deutschland beschäftigen.
Das Video mit dem mehrdeutigen Titel "Union" scheint die Behauptung Annette Weber's in ihrem Aufsatz über Konservatismus im Kontext der Techno-Community (in: Maintream der Minderheiten, Hg. Tom Holert & Mark Terkessidis), "Was aussehen möchte wie eine Jugendrevolte, entpuppt sich als Anpassung an kontrollgesellschaftliche Regeln." zu bestätigen scheint:
Nach einer ungelenken Einleitung durch Dr.Motte (Interviewfetzen) in dem er zwischen vermeintlichen und tatsächlichem politischen Anspruch der Loveparade einen Drahtseilakt über dem Schlund des Unpolitischen vollzieht, zeigt sich die Love Nation, Family oder Unity als das, was sie gerade durch ihre erklärte Apolitizität wurde: Rekuperationsgebiet konservativer Politik, die auf die unkritische bis willfährige Masse sportiv Einheit feiernder Jasager, oder, wie es Didrich Diederichsen ausdrückte:die Helmut-Kohl-Jugend. Die kurze Bildeinspielung zeigt eine hysterisches Girlie, Mitglied der jungen Union auf dem Soundsystem der CDU auf der Loveparade, die aufgepeischt von Beats und ihrer eigenen CDU-Mitgliedschaft als sicherlich einzige und ausreichende Stimulanzen der neuen, positiven Jugend, ...äh, tierisch abgeht!


Die Zeichnung (Abb. in Kürze) zeigt eine böse Pesiflage eines Plakats aus der Nazi-Zeit, das im Original einen auf einen imaginären Punkt am Himmel entrückt, aber kess über die Schulter starrenden Hitlerjungen, während sich am braunen Himmel hinter ihm das Konterfei Adolf Hitlers abzeichnet und die Parole dazu befiehlt: "Jugend dient dem Führer!". In meiner Version sieht man das feiste Konterfei des Einheitskanzlers, vor dem H.P.Baxxter, Shouter der Techno-Pop Band Scooter und Schlüsselfigur in der Verquickung von Techno und stadionsmässiger Volkstümelei, ebenso entrückt auf dieses mystische Flackerlicht am Firmament starrt, dass schon den gesamten Ufa-Film durchzieht und von Heino weiterentwickelt wurde (siehe auch: Peter O. Chotjewitz 1971 in "Akzente"), allerdings noch mysthischer mit Sonnebrille, wie die Angeklagten der Nürnberger Prozesse, haha. Die Parole lautet heute jedoch vielmehr: "Jugend dient dem Kapital" und ziert den Kopf der Zeichnung.


Das Video "Volksfest"
beginnt ebenfalls mit einer Ansprache des Zeremonienmeisters Dr. Motte und zeigt Bilder von den Loveparades von 1989-92, die sich später mit Images des Pogroms von Rostock-Lichtenhage, ebenfalls von 1992 vermischen. Der Soundtrack des Videos, aus einem Live-Set von DJ Marusha, bringt als Catchphrase: "My House is your House and your House is mine", dessen Message sich unter den Bildern des von Neonazis attackierten und in Brand gesteckten lichtenhagenener Hauses, in dem sich immer noch vietnamesische Familien verstecken, und dem dazu Befall klatschenden Mob, der bei Bratwurst und Bier zum versuchten mehrfachen Mord ein Volksfest feiert, verändert: Gastfreundschaft wird zum feindseligen, nationalistischen und rassistischen Besitzanspruch.


"Volksfest" auf der Eröffnung

Mittwoch, 24. Februar 2010

Kongress für Anti-Kapitalistische Kultur

Hier geht's zum blog:
http://antikapitalistischekultur.blogspot.com/

Der Kongress steigt im Oktober, bis dahin gibt es Diskussionen und weitere Aktivitäten im "West-Germany", Kreuzberg, Berlin. Hier findet Ihr weitere Infos!